Existenzsicherungsgedanken

Was wäre wenn … diese magischen drei Worte finden sich in vielen Zusammenhängen. In den letzten Jahren ist diese Frage in Zusammenhang mit einer Existenzsicherung, besser gesagt “Bedingungsloses Grundeinkommen” gesellschaftlich nicht mehr wegzudenken. Das Magazin “The Atlantic” hat sich schon im Jahr 2015 diesem Thema gewidmet und damalige zeitlos wirkende Erkenntnisse – über den Tellerrand blickend – zusammengefasst. 1

Viel wurde zwischenzeitlich darüber diskutiert, in Europa aber auch in anderen Ländern dieser Welt. Vermehrt nehmen politische Vertreter diese Idee in ihre Programme auf, zumindest in Diskussionen und Gesprächen mit ExpertInnen. Studien unterschiedlichster Ausprägung verweisen auf Experimente aus den verschiedensten Ländern. Ihnen allen ist eines gemeinsam – sie haben sich mit Kleingruppen, bzw. Menschen in besonderen Lebensverhältnissen gewidmet. Entweder waren diese Menschen arbeits- oder beschäftigungslos oder lebten in betroffenen Regionen. Der Film “Free Lunch Society” 2 hat deren Inhalte und auch deren Ergebnisse in übersichtlicher und sehr verständlicher Form aufbereitet. Trotzdem bleiben Skeptiker dabei, dass die Idee utopisch und nicht zu finanzieren ist.

Was gilt es also zu tun? Sollen wir dieses Gedankenkonstrukt weiter verfolgen? Kann man das überhaupt finanzieren? Wie groß sind die Auswirkungen der Digitalisierung wirklich?

Many experts believe that, unlike in the 20th century, people in this century will not be able to stay one step ahead of automation through education and the occasional skills upgrade. A recent study from Oxford University warns that 47 percent of all existing jobs are susceptible to automation within the next two decades. Worries about robots replacing human labor are showing up more frequently in the mainstream media, including the front page of The Wall Street Journal. Recent books, such as The Second Machine Age and Who Owns the Future, predict that when it comes to robots and labor, this time is different.
– The Atlantic, What if (May, 2015)

Persönlich betrachtet – niemand kann die Zukunft vorhersehen, die Studien kommen zu unterschiedlichsten Ergebnissen und die Skeptiker sind laut. Damit bleibt die dystopisch wirkende Vision, dass diese Idee ihre Umsetzung nach einem wirtschaftlichen Zusammenbruch ihre Umsetzung finden wird. Und doch waren die Zeichen bzw. die Rahmenbedinungen nie besser, es zumindest in Regionen, Ländern umzusetzen.

  • Ernährung: Aufgrund von technologischen und wissenschaftlichen Methoden zur Effizienzsteigerung können wir die BewohnerInnen dieses Planeten tagtäglich mehrfach ernähren. Bei der Optimierung von logistischen Versorgungswegen, verstärkte Fokussierung auf regionale Produkte, stärkeres Bewusstsein in Bezug auf Ernährungsformen und klare Kenntnis über den eigenen Bedarf ist noch ausreichend Freiraum vorhanden. Hungersnöte sind lösbar, heute mehr denn je. 3
  • Energieversorgung: Gerade hier zeigt sich in Bereichen der Energiegewinnung und der -speicherung, dass die Menschen sich zukünftig selbst versorgen können. Der langjährig vorangetriebene Fokus auf erneuerbare Energie macht dies möglich.
  • Bildung: In unserer Heute stark vernetzten Zeit können wir von nahezu überall auf digitale Wissensquellen zugreifen. Weder der Weg in eine Bibiothek, eine Universität oder einfach in ein Buchgeschäft erscheint notwendig. Damit entstehen unzählige Möglichkeiten für eine Gesellschaft, lebenslanges Lernen ist nur eine von Vielen.

Wenn man verschiedensten sozialen Medien Glauben schenken darf dann wird “Wohnen” in Zukunft kleiner, optimaler und kostengünstiger werden. All diese Faktoren in einen Topf werfen und im Detail betrachten erscheint aus aktueller Sicht mehr als zielführen. Mit einer gesunden Portion Optimismus betrachtet erscheinen diese als ideale Rahmenbedingungen für eine Zukunft. Besonders jene, in welcher uns keine Veränderung, egal wie umfangreich die technologischen Auswirkungen auf unsere berufliche Landschaft auch sein mögen, das Leben schwer machen könnte.

Darum, ein bedingungsloses Grundeinkommen erscheint immer weniger als utopische Idee, mehr ein Schritt in der Evolution zu einer Gesellschaft, in welcher Neid einem Miteinander weichen darf. Denn – wenn jede Person grundsätzlich eine Existenzsicherung in gleicher Höhe erhält, dann hat man auch eine Basis für Gleichbehandlung geschaffung. Unabhängig von Geschlecht, Kultur oder Herkunft.

Es bleibt spannend, wenn die Geschwindigkeit der Veränderungen anhält, dann wird man es noch vor Mitte dieses Jahrhunderts erleben.

  1. The Atlantic, siehe https://www.theatlantic.com/business/archive/2015/05/what-if-everybody-didnt-have-to-work-to-get-paid/393428/?utm_source=atlfb
  2. IMdB, Free Lunch Society, siehe http://www.imdb.com/title/tt6690458/
  3. Siehe http://www.fao.org/statistics/en/

Selbstreferenzpolitik

Politik, Wissenschaft und Journalismus haben in den Augen der öffentlichen Wahrnehmung seit jeher kein gutes Standing. Die einen haben sich durch maximal-elastische Auslegung der Wahlversprechen diesen Ruf hart erarbeitet, die anderen sich über einen langen Zeitraum eine selbstreferenzielle Filterplase aufgebaut und letztere dürfen sich den Vorwurf von inszenierten Falschmeldungen regelmäßig gefallen lassen. Wenn dann politisch motivierte Änderungen an einer beauftragten Studie vorgenommen werden, dann wird es eng und das Vertrauen in alle Bereiche sinkt weiter.

So geschehen im aktuell vom Falter (Ausgabe Nr. 27/17, 7.-13.7.17) aufgedeckten Fall mit der Schlagzeile “Kurz-Leaks”. Der Vorwurf in diesem Fall – die Unzufriedenheit mit dem Ergebnis einer beauftragten Studie führte zu inhaltlich kreativen Anpassungen um den politischen Aussagen gerecht zu werden. Der Umfang erscheint ob der Menge an Einzelvorwürfen (Anzahl der Zeilenänderungen in dieser Studie) überschaubar, es macht den Fall nicht weniger brisant. In den – dem Falter zugespielten – Word-Dokumenten erscheinen die Änderungen klar erkennbar und bestätigen die vor der Studie gemachten Äußerungen.

Dies wirkt wie ein politischer Molotov-Cocktail und wird das Vertrauen in Politik & Wissenschaft nicht verbessern. Warum sollte man ob dieser Erkenntnis auf zukünftig seitens der Politik präsentierten Studien noch vertrauen. Unabhängig davon, wer dies aktuell zu verantworten hat. Die anderen Parteien dürfen sich in naher Zukunft davor hüten Studien zu zitieren oder gar zu beauftragen um ihre Aussagen zu bekräftigen. Man darf sich für diesen Beitrag bedanken, die Diskussionen am digitalen Stammtisch werden hitzig sein und gewohnte Themenverfehlungen. Leugnen wird sich mit herabspielender Gelassenheit um die Aufmerksamkeit der Wählerschaft streiten, ohne nennenswertes Ergebnis. Selbst ohne dem Besitz einer zukunftsverkündenden Glaskugeln darf man einen Ausblick in die Zukunft wagen. Die Politik wird dies abschütteln, dem Tagesgeschäft nachgehen, v.a. weil man als BürgerIn einiges gewohnt ist. Die Wissenschaft wird sich möglicherweise vermehrt zurückziehen und sich der eigens aufgebauten intellektuell angehauchten Klientel widmen. Deren Sprache in dieser universitären Filterblase wird dem Volk damit noch weniger verständlich rüberkommen. Der Journalismus hat für kurze Zeit wieder dadurch Aufmerksamkeit gewonnen, wird nun in Folge mit entsprechenden Attacken kämpfen dürfen und die “Fake News” Karte wird wieder gezogen.

Alles in allem betrachtet, diese Causa wird spätestens bis zu den Wahlen im Herbst nicht die letzte aufgedeckte Angelegenheit werden. Also parallel zur Vielfalt der Wahlmöglichkeiten wird es auch umfangreiche “Leaks” durch Schmutzwäschezentren geben. Vieles davon auf Kosten der SteuerzahlerInnen, jene Gruppe, welche sich durch die Aktivitäten der PolitikerInnen vertreten fühlen sollte. Es bleibt spannend, wie lange es dauern wird bis diese Erkenntnis beim Volk ankommen wird.

Lesevorfreude

Geschichten, sofern sie gut erzählt sind, entführen aus dem Alltag und lassen die Umgebung vergessen. Comics führen neben den Büchern weiterhin ein ungerechtfertigtes Schattendasein. Vernachlässigt schlummern Meisterwerke in der deutschsprachigen Comic-Szene und warten darauf entdeckt zu werden.

Durchstöbern von den regelmäßig erscheinenden Kataloge der Verlage, hilft diese zu entdecken. Die Vorschau für den Herbst 2017 liest sich sehr spannend. Das Spektrum der Geschichten ist breit aufgestellt, die Auswahl der AutorInnen wechselt von erfahren bis zu talentierten Neulingen und orientiert sich an aktuellen Geschehnissen.

Anbei ein Einblick in manche persönliche mit Spannung erwartete Höhepunkte.

Reprodukt

Der Band “Unerschrocken” von Penelope Bagieu widmet sich fünfzehn außergewöhnlichen weiblichen Persönlichkeiten. Josephine Baker, Tove Jansson, Leymah Gbowee um nur einige zu nennen. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie den gesellschaftlichen Zwängen der Zeit trotzten.

Manu Larcenet, der bisher mit überwiegend humorvollen Geschichten auf gesellschaftliche Themen aufmerksam gemacht hat widmet sich zum ersten Mal einer Adaption eines Romans. Die Bilder des kommenden Comic Bands “Brodecks Bericht (Roman von Philippe Claudel)im Katalog vermitteln eine tragisch-düstere Szenerie und man darf gespannt sein, was der Leser hier serviert bekommt.

Jillian Tamaki hat mit ihrer Graphic Novel “Ein Sommer am See” im letzten Jahr für verdiente Aufmerksamkeit gesorgt. Mit der Kurzgeschichtensammlung “Grenzenlos” scheint sie einen Schritt weiter zu gehen und sich mit den Phänomenen der Selbstdarstellung auf Social Media Plattformen wie Facebook zu beschäftigen.

Avant-Verlag

Ein ungewöhnlicher Erzählstil, ein Bruch mit altbekannten Lesegewohnheiten erwartet den Leser bei der Lektüre von “Der Riss” des Spaniers Carlos Spottorno. Authentisches Bildmaterial von den Geschehnissen an der Außengrenze der Europäischen Union wurde als Grundlage für die Zeichnungen sowie für die Geschichte genommen. Dadurch ergibt sich eine Fotoreportage in besonderem Stil.

Fabien Toulme führt uns mit der Graphic Novel “Die zwei Leben von Balduin” wieder zurück zu den wichtigen Dingen im Leben. Ähnlich wie bei dem Vorgänger “Dich hatte ich mir anders vorgestellt ..” wird die Hauptfigur mit einer außergewöhnlichen Situation konfrontiert und beginnt das bisher zur Anwendung gekommene Wertesystem zu hinterfragen.

Edition Moderne

Burn-Out ist ein Begriff, welcher aus dem Alltag der Gegenwart nur mehr schwer wegzubekommen ist. Wenn der berufliche und der familiäre Druck zu hoch wird und Menschen die Kontrolle verlieren. Gion Capeder nimmt sich diesem Thema mit dem Buch “Superman” an und zeigt uns die Welt von Chris, welche oberflächlich betrachtet in Ordnung wirkt. Darunter lauern Überlastung und Streß, die Fassade zerbröckelt und in feinen, recht atmosphärischen Bildern wird man immer tiefer in die emotionale Welt entführt.

Grafisch und visuell fordernd wirkt der Band “Wirbelsturm” von Roland Burkart. Die Geschichte eines leidenschaftlichen Schwimmers, welcher eines Tages durch einen Unfall weder Arme noch Beine gebrauchen kann. Die im Katalog befindlichen Bilder und der zugehörige Text wirken bedrückend.

Jaja Verlag

Dieser Verlag ist – mehr oder weniger – eine persönliche Neuentdeckung. Wobei die Recherche ergab, dass die Reihe “Papa Dictator” hier beheimatet ist. Daneben befinden sich hier noch weitere optisch sehr interessante Bücher, allen gemeinsam, dass sie optisch reizvoll sind. Ebenso wirken sie, als ob sie auf jüngeres Publikum konzentriert sind. Ein Eindruck, welcher schon bei der Reihe “Papa Dictator” ein schnell erkanntes Mißverständnis ist.

Zusammengefasst darf man festhalten, dass der Herbst ein Lesevergügen der besonderen Art verspricht. Da darf man sich drauf freuen. Eine Bestellung bzw. Reservierung der einzelnen Bücher ist geistig schon erfasst.

Eomtionsweltbegreifbildung

Bildung, Emotionen und die Welt begreifen. Klingt selbstverständlich, aber das inflationär in Verwendung befindliche Zitat, dass man für’s Leben lernt, zeigt deutlich Handlungsbedarf. Die heutige Ausgabe von derStandard bearbeitet dies Thema mit einem kurzen Artikel, persönlich betrachtet ein kleiner aber gut gemeinter Versuch in den Wirren der politischen Ereignissen diesem Thema doch noch etwas Platz einzuräumen.

Der ORF hat es am Sonntag auch gut vorgelegt und in der Sendung “Panorama” einen zum Thema passenden Schwerpunkt zu zeigen. Konkret war es ein Rückblick in das Bildungswesen der 70er Jahre. Schnell erkennt man, dass man die heutigen AkteurInnen mit den damaligen austauschen kann. Was übrig bleibt ist der Inhalt, der sich seither nicht verändert hat. Fortschritt im Bildungsbereich gab es ja so gut wie keinen und man muss nicht mal bösartige Gedanken haben um sich die Aussage entlocken zu lassen, dass die Zustände sich verschlechtert haben.

Warum?

Weil sich die Welt um das Bildungssystem herum weiterentwickelt hat. Das System selbst blieb davon unberührt und wie man weiß bedeutet ein Stillstand in der heutigen Zeit ein realer Rückschritt. Im engeren sowie im weiteren privaten familiären Umfeld merkt man, dass sich in diesem Bereich etwas tut. Private Initiativen machen sich breit und zeigen vor, dass man aus altbekannten Systemen ausbrechen kann. Mehr Emotionen in die Bildungsinhalte, weniger Notendruck, Miteinander statt Wettbewerb in den Mittelpunkt und freieres Handhaben von bildungsrelevanten Themen. Der bittere Nachgeschmack folgt recht schnell, wenn man merkt, dass diese Einrichtungen teils wenig bis gar nicht aus öffentlicher Hand unterstützt werden. Damit erscheint der Weg in eine Mehrklassengesellschaft vorprogrammiert. Jene, welche Heute den Bonus besitzen, Eltern zu haben, welche Kapital und Bildung mitbringen dürfen die Zukunft und deren Herausforderungen besser verstehen und bearbeiten.

Eine emotional orientierte Form der Pädagogik, welche Inklusion und Wertevermittlung im Mittelpunkt könnte zumindest einen positiven Nebeneffekt haben. Dass sich jene, welche diesen Bonus ausleben durften, bereit sind in Zukunft mit allen anderen zu teilen. Dieses optimistische Weltbild erscheint in der Gegenwart wenig Chancen zu haben, unwahrscheinlich bleibt es nicht. Vor allem weil andere Staaten – auch in Europa – vorzeigen, dass es geht. Der Weg dort war auch ein weiter und steiniger, wenn man dies auf die Situation hierzulande abbildet dann blickt man auf einen noch länger wirkenden Weg.

Darum, darüber reden und Lehrerschaft, Eltern, Gewerkschaft und Ministerium klar machen, dass der Handlungsbedarf gestern schon mit “dringlich” gekennzeichnet war.

Links

http://lehrerinnenbildung.univie.ac.at/aktuelles/news-liste/article/symposium-paedagogik-der-achtsamkeit-1/?tx_ttnews%5BbackPid%5D=78007&cHash=7b7302649018e9e45a978428451a0d09

http://tvthek.orf.at/profile/Panorama/2226649/Panorama-Geschichten-aus-der-Schule/13929962/1977-Schule-ohne-Angst/14048645

Kurzsichtigkeitspolitik

Politik, ein “Gewerbe”, welches bei den BürgerInnen vermehrt auf Unverständnis stösst. Egal wie man es medial auch aufbaut oder analysiert, vielschichtiger geht es wohl selten. Von Macht ist die Rede, Korruption und Intrigen folgen dicht dahinter. Die damit verbreitete Politikverdrossenheit ist eine schlechte Basis für politische Entscheidungen. Damit wird den höchsten DienerInnen des Staates ein nicht-gewollter Freiraum geboten.

Die Aufmerksamkeit, welche letztes Wochenende den verschiedensten Akteuren geschenkt wurde, war da schon etwas Besonderes. Insbesondere weil der Anschein geweckt wurde, dass mit alten Traditionen gebrochen wurde und dem jugendlichen Tatendrang eine “erwünschte” Position übergeben wurde. Man kann sich dem Eindruck nicht erwehren, dass es bisher an Tatendrang und Skrupellosigkeit gefehlt hat. Niemand hat in den letzten “Jahrzehnten” etwas Vergleichbares geschafft. Egal von welcher Seite man es betrachtet, das Ergebnis gibt dem Initiator derzeit recht. Er hat hoch gepokert, den alteingesessenen Akteueren viel abverlangt und seine offenen wie auch heimlichen Aktionen der letzten Wochen (möglicherweise gar Monaten) haben Früchte getragen.

Trotz der klaren Worte blieben viele v.a. wesentliche Fragen unbeantwortet. Klarheit hat diese Aktion alleine betrachtet noch nicht geschaffen und stelle die Prognose in den Raum, dass dies bis zum Ergebnis der nächsten Nationalratswahl nicht sichtbar sein wird. Der politische Dialog wird bis dahin von mangelhafter Kommunikation geprägt sein. Dies zeigt sich ja schon im Dialog, welche seitens der Regierung umzusetzenden Pläne bis zum Sommer noch abgearbeitet werden sollen. Wahlkampfstimmung wird bald vorangetrieben und bis in den späten Herbst aufrecht erhalten bleiben.

Persönlich schmerzt dieser undemokratische Zugang, den WählerInnen werden Halbwahrheiten aufgetischt um diese Entscheidungen zu begründen. Stimmungsmache in welcher von allen Beteiligten vermieden wird, dass die WählerInnen unter den nicht umgesetzten Regierungsinhalten leiden müssen und gegebenenfalls noch ein Jahr (oder länger) warten müssen.

Ein Blick in die Zukunft erscheint ob der Unklarheiten und noch unbekannten Variablen wie ein Blick in ein trübes Glas. Was mag die zukünftige “ÖVP” auf ihren Plakaten stehen haben und welche AkteurInnen wird man vorfinden? Je nachdem wird sich das Ergebnis an den Wahlurnen zeigen. Wenig Veränderung erscheint aktuell das Wahrscheinlichste. Die SPÖ wird halbwegs stabil bleiben, Zugewinne oder Verluste werden sich im Rahmen halten. Der politische Stil und die Stimmungsmache werden zeigen, wie die “neue” Liste die Stammwählerschaft bei Laune hält, neue Wähler gewinnt und bei welchen Lagern sie sich bedient. Die Zukunft der NEOS scheint ungewiss und die bisherige Wählerschaft der FPÖ könnte sich von dem jugendlichen Tatendrang mitreissen lassen. Letztendlich erscheint hier der Bonus der letzten Bundespräsidentenwahl angestaubt, wenn nicht gar gänzlich verschwunden.

So oder so, die Leidtragenden dieser Aktionen werden die Menschen sein. Einerseits weil man einen Stillstand in der bisherigen Regierungsarbeit haben wird und andererseits der vorgezogene Gang zu den Urnen die Steuerzahler viel Geld kosten wird. Das alles wird in den kommenden Wochen und Monaten in Vergessenheit geraten und einem politischen Diskurs weichen, welcher unseren Alltag bestimmen wird.

Ungewollt spannende Zeiten in denen wir leben.

Links:

http://www.dasbiber.at/blog/fuenf-gruende-warum-die-liste-sebastian-kurz-erfolg-haben-wird

http://mosaik-blog.at/kurz-oevp-kern-macron-alternative/

http://derstandard.at/2000057558454/Vorstand-designierte-Sebastian-Kurz-zum-neuen-Parteiobmann?ref=rec

https://kurier.at/politik/inland/die-kurzsche-hybrid-partei-personalcoup-mit-josef-moser/263.892.424

http://diepresse.com/home/innenpolitik/5217869/Welche-Koepfe-auf-Kurz-Liste-stehen-koennten

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/politik/892087_Stillstand-in-der-Regierung.html

http://orf.at/stories/2391480/

Bildungseinfluss

Sätze wie “Der Unterricht ist viel wichtiger, als wir das bisher angenommen haben”1 verursachen Herzschmerzen. Also Einatmen und Ausatmen und langsam von Vorne beginnen – diese Aussage steht im Zusammenhang mit einer Studie, in welcher Salzburgs SchülerInnen zu ihrer Haltung zum Nationalsozialismus befragt wurden. Das Ergebnis führte zu der obigen Aussage des Studienleiters.

Als jemand, der vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten den Bildungsbetrieb mit Matura (und nachfolgender Lehre) verlassen hat, wirkt dies wie ein Hohn. Es zeigt eindeutig, dass sich in der Aufarbeitung eines wesentlichen Themas wenig bis nichts getan hat. Eine Schwäche des Bildungssystems, aber auch der Erziehung durch jene Menschen, welche sich aufgrund der politischen Äußerungen vieler Parteinen beeinflussen lassen. Dies zeigt einmal mehr, dass eine inhaltliche Änderung im Bildungsbereich mehr als überfällig ist. Bei Jugendlichen ebnso wie bei Erwachsenen sollte die jüngere Geschichte (beginnend mit den letzten hundert Jahren) bearbeitet werden. Kein Detailwissen erarbeitet werden, aber ein kritischer Blick auf die wesentlichen Eckdaten. Aufklärungsarbeit über die Rollen, die Mittel der Beeinflussung und die Bearbeitung des Täter- sowie Opfer-Aspekt.

Gerade bei diesem Themenblock kann man leicht Fächerübergreifend tätig sein und Geschichte, Geographie und Politische Bildung zusammennehmen. Zumindest in den letzten beiden Schuljahren (egal in welchen Bildungswegen) kann man hier konstruktiv, unter Einbeziehung der SchülerInnen eine gemeinsame Bearbeitung durchführen. Projektarbeit, Deluxe!

  1. Christoph Kühlberger, Vizerektor der Pädagogischen Hochschule (PH) Salzburg (8.5.2017, DerStandard Kompakt, S.10)

Stimmungsaufheller

Der vielerseits prognostizierte Brexit-Domino-Effekt scheint sich nicht zu halten. So wird das gestrige Ergebnis der Wahl zuminest vielerorts interpretiert und die Stimmung ist durchgehend pro, gemeinsam und ganz im Sinne eines Miteinander. Dieser Schwung darf nun gerne länger anhalten, und wenn sich Kandidaten wie Emmanuel Macron behaupten darf die positive Stimmung die letzten Skeptiker aus der Reserve holen. Ein Kandidat der Mitte, einer der sich um die Liebe vieler Mitmenschen bemühen wird. Einer, der sich der politischen Realität gegenüber in den kommenden Jahren beweisen muss.

Der Vergleich zu den USA wird nicht nur im New Yorker angedeutet. Dort, wo sich das Volk für den “anderen” Kandidaten entschieden hat geschieht dies ebenso. Das einzige, was Trump und Macron gemeinsam haben, dürfte der Status des Aussenseiters sein. In Bezug auf die politischen Ansichten befindet sich mehr als eine Grundhaltung zwischen den beiden Kandidaten. Persönlich stellt sich mir dann die Frage, welche Chancen ein Kandidat wie Bernie Sanders wohl gehabt haben könnte. Weiterführend wäre ebenso interessant, wie das Ergebnis ausgesehen hätte, wenn Hillary Clinton sich von ihrem Gegner noch deutlicher unterschieden hätte und zumindest teilweise die Ideen von Sanders weiterverfolgt hätte.

Was-wäre-wenn-und-hätte-Spiele sind aber nur soweit interessant, solange man eine Lehre für die Zukunft daraus ziehen kann. Dies kann man nur bedingt darstellen, v.a. weil letztendlich niemand mehr vorhersehen kann, inwieweit die politisch populistischen Demagogen sich nun aufstellen werden. Mancherorts beginnen sie gemäßigtere Töne anzuschlagen, vielleicht ebenso eine Taktik? Höchstwahrscheinlich.

Kritisch. Pro. Gemeinsam. Miteinander. In Europa, aber auch in der ganzen Welt.

Links:

http://www.newyorker.com/humor/borowitz-report/french-annoyingly-retain-right-to-claim-intellectual-superiority-over-americans